Auf der Suche nach Erinnerungen

Manche Erlebnisse haben wir noch so deutlich und lebhaft im Gedächtnis, dass sie regelrecht aus uns heraussprudeln. Wir brauchen sie nur noch aufzuschreiben. Andere dagegen sind tief in uns vergraben und müssen wie ein verborgener Schatz gehoben werden. Wie aber kann ich an diesen Schatz herankommen? Wie ihn heben? Ganz einfach: Ich besorge mir eine Schaufel und fange an zu graben. Ich brauche also ein Hilfsmittel, das mich zu meiner Erinnerung führt.

Von diesen autobiografischen Hilfsmitteln hat jeder einen ganzen Koffer voll. Fotos, alte Spielsachen, Kinderbücher, Schmuck, Briefe, Postkarten, ein Poesiealbum, Zeugnisse, vergilbte Urkunden, zerfledderte Schulhefte, Tagebücher, Rezepte, Konzertkarten, Kalender, Zeitungsausschnitte, ein alter Fotoapparat, Gemälde, Klebebildchen… Die Liste ist lang und vielfältig. Beim Stöbern und Lesen kommt die Erinnerung dann ganz von selbst.

Ein weiterer Quell des Erinnerns sind unsere Sinne (neben dem Visuellen ist es der Geruch, Geschmack, das Gehör und der Tastsinn). Durchstöbere also deine Platten- und CD-Sammlung und höre. Gehe in eine Kirche und rieche. Nimm deinen alten Teddy in den Arm und fühle. Backe den Baumstammkuchen nach dem Rezept deiner Großmutter und schmecke. Du wirst nicht nur deine Oma vor dir sehen, wie sie die Schokoladencreme anrührt und den Teig bestreicht, sondern auch den Genuss und das Wohlgefühl wiederempfinden, dass du damals als Zehnjähriger beim Ausschlecken der Schüssel hattest.

Schließlich sind da noch Menschen und Orte, die in uns Erinnerungen auslösen. Besuche deinen Bruder und sprich mit ihm über gemeinsame Kindheitserlebnisse. Geh zum nächsten Klassentreffen. Schlendere durch die Straßen deiner Heimatstadt und suche dein Elternhaus auf. Auch wenn sich die Menschen und Orte verändert haben und heute vielleicht ganz anders aussehen, die Begegnung mit ihnen katapultiert dich in deine Vergangenheit.

Und wenn dich die Erinnerungen überkommen, schreibe sie auf möglichst bald, ja am besten sofort.

Mehr zu den autobiografischen Hilfsmitteln findest du in dem Buch “Ich schreibe, also bin ich. Schritt für Schritt zur eigenen Biografie” von meinem hochgeschätzten Kollegen Stefan Schwidder: www.schoener-schreiben.de/buecher–links/index.php

Herzlichst Claudia Cremer

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