Auf der Suche…

Vielleicht ist er schon da, bevor du überhaupt die erste Zeile geschrieben hast. Oder er fällt dir plötzlich ein, wenn du nachts aus einer Unruhe heraus durchs Haus streifst oder beim Bahnfahren gedankenverloren aus dem Fenster schaust. Es kann aber auch sein, dass er sich dir erst ganz zum Schluss offenbart, wenn alles andere fertig ist und du die Hoffnung schon längst aufgegeben hast, ihn jemals zu finden…

…den passenden Titel für deine Lebensgeschichte.

Wenn dir allerdings überhaupt nichts einfallen sollte, kannst du immer noch auf den Klassiker zurückgreifen und deine Biografie „Erinnerungen“ oder „Mein Leben“ nennen. Selbst Marcel Reich-Ranicki hat sich von der Schlichtheit des zweiten Titels betören lassen und ihn für seine Lebensgeschichte gewählt. Wenn dir das jedoch zu allgemein ist, kannst du gern einen Zusatz wählen: „Erinnerungen an ein erfülltes Leben“, „Mein Leben als Stallbursche“ oder „Meine Kindheit in Hinterpommern“.

Du kannst aber ruhig noch etwas kreativer werden. Vielleicht findet sich in deiner Biografie ein Satz, der dein Leben auf den Punkt bringt? Hat jemand etwas zu dir gesagt, das zu deinem Lebensmotto wurde? Was ist der Hauptaspekt deiner Geschichte? Der Titel der Biografie einer meiner Privatkundinnen lautet „Es gibt keine Heinzelmännchen!“ und passt wunderbar zu ihrem arbeitsreichen Leben in Köln. „Glaube fest an ein Wiedersehen“ waren die Abschiedsworte von Agnes Nußbaums Verlobten, als er in den Krieg zog, und blieben ihr Credo für die nächsten Jahre. Gabi Schmidt beschreibt in ihrer Biografie „Ich habe Leukämie – und fühle mich gut!“ tapfer, ehrlich und humorvoll, wie sie mit der schrecklichen Diagnose umgeht.

Mein Tipp nun für deine Suche: Am besten, du notierst spontan zehn Titel für deine Lebensgeschichte auf einem Zettel und fängst an, mit den Worten zu jonglieren. Dabei werden dir ganz automatisch neue Ideen kommen.

Du kannst auch einfach einmal in die Buchhandlung gehen und dich inspirieren lassen. Welche Titel sprechen dich an? Welche verheißen Spannung? Manche versprechen Nachdenkliches „Für ‘ne Moment“ (Wolfgang Niedecken) oder ein Abenteuer „Ich bin dann mal weg“ (Hape Kerkeling). Einige wollen deine Neugierde wecken „Nichts als die Wahrheit“ (Dieter Bohlen) oder dich bewusst schockieren „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ (Andreas Altmann). Frage dich selbst: Welches dieser Bücher würdest du gerne lesen?

Wenn du deinen Titel endlich gefunden hast, gibt es noch Folgendes zu bedenken. Möchtest du deine Biografie nur im privaten Bereich verteilen, dann kannst du ihn ohne Probleme frei verwenden. Solltest du allerdings deine Lebensgeschichte veröffentlichen wollen, musst du vorher prüfen, ob dein Titel nicht eventuell schon vergeben und damit urheberrechtlich geschützt ist. Schau als Erstes bei buchhandel.de, amazon.de oder einem anderen Buchanbieter nach. Wenn du allerdings ganz sicher sein möchtest, musst du im Verzeichnis Lieferbarer Bücher nachschlagen.

Und ein letzter Rat: Keine literarischen Zitate wählen, wie es Boris Becker für seine Lebensgeschichte getan hat. „Augenblick, verweile doch“ (oh je, auch noch aus Goethes Faust!) ist hochgegriffen, steif, langweilig – einfach nur daneben!

Herzlichst Claudia Cremer

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