Neulich im Schwarzwald

Bisher habe ich mit dem Schwarzwald immer das Typische verbunden: handgeschnitzte Kuckucksuhren, kalorienreiche Kirschtorten, mächtige Schinken, hochprozentiges Kirschwasser, Frauen mit Bollenhüten und Bauernhäuser mit Geranienkästen vor jedem Fenster. Meine Eltern fuhren in den Schwarzwald; Onkel und Tanten verbrachten dort ihren Urlaub, und Oma und Opa waren Stammgäste in einer der vielen Pensionen. Der Schwarzwald kam für mich also nicht infrage! Zu betulich, zu spießig. Man pflegt eben so seine Vorurteile.

Im April verschlug es mich dann doch in die Region, und nun muss ich tief Abbitte leisten. Es gibt tatsächlich schöne Kuckucksuhren, die Kirschtorte schmeckt köstlich, die Bauernhäuser sind urgemütlich und das Kirschwasser hat’s in sich. Aber das sind alles Nebensächlichkeiten. Was den Schwarzwald wirklich einzigartig macht, ist sein Wald! Und der ist überwältigend! Ein echtes Erlebnis!

Im Schwarzwald konnte ich mir sogar einen Kindheitstraum erfüllen: Ein Mal in meinem Leben wollte ich in den tiefen Wald gehen – ohne Begleitung, so wie Rotkäppchen, ganz allein. In Kanada hatte ich mich wegen der Bären nicht getraut, in Neuseeland hatte ich Angst, mich zu verlaufen, aber der Schwarzwald schien mir sicher. Also packte ich meinen Rucksack, verabschiedete mich von Uwe und machte mich mutig auf den Weg. Niemand kam mir in den nächsten drei Stunden entgegen, nur ein paar Eichhörnchen flitzten die Bäume hoch und ein Reh ließ sich für einen Moment blicken, bevor es rasch wieder im Gebüsch verschwand. Ich war allein…

… und es war genial!

Sollte ich jemals meine Autobiografie schreiben, werde ich der Erfüllung meines Kindheitstraumes im Schwarzwald mit Sicherheit ein ganzes Kapitel widmen (Psychoanalyse inbegriffen ;-) ).

Herzliche Grüße von Eurer Claudia Cremer

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4 Antworten auf Neulich im Schwarzwald

  1. Maria Schmid sagt:

    Liebe Claudia,

    das hat mich jetzt sehr berührt!!

  2. Vor 54 Jahren, im Alter von 19, war ich mit meinem Freund im tiefsten Schnee unterwegs im Schwarzwald auf Wanderschaft. Wir trennten uns, weil wir uns nicht einigen konnten, wie wir zurück zur Pension gelangen sollten, per Fuß oder mit der Bahn. Stur bin ich weitergelaufen und verirrte mich prompt im tiefsten Wald. Nach 4-5 Stunden fand ich naßgeschwitzt im Dunklen endlich einen kleinen Ort und von dort irgendwie zurück ins Bett.
    Meine Frau schreibt übrigens auch autobiografisch; als Mitautorin von 30 Düsseldorfer AutorInnen: http://home.feierabend.com/sunnystreet

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