Goldtröpfchen und das Erinnern

Letztes Wochenende in Schwarmstedt. Woran kann ich mich erinnern? Zuerst einmal an Sonne, grüne Wiesen und im Garten auf der Liege dösen. Dann an frische Erdbeeren. Spaziergang durch Nordrebber. Kartoffelsalat, Radieschen und gegrillte Käsespieße. Antiquitätencafé. Vertraute Gespräche. Kurzer Regenschauer, nasse Sandalen. 3 Mädels, 1 große Box „Raffaello“ und „Breaking Dawn“ auf DVD. Füße im kühlen Pool. Saltos auf dem Trampolin. Goldtröpfchentorte!

Und? Was heißt das nun? 1. Mir gefällt die Landschaft im hohen Norden. 2. Ich verlebte bei meiner Freundin und ihrer Familie ein richtiges Wellness-Wochenende. 3. Ich bin verfressen! Stopp, nein, verfressen bin ich nicht, aber gegen gutes Essen habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden.

Essen ist eine sinnliche Erfahrung, die ganz tief und fest in unserem Gehirn abgespeichert wird und mit der wir oft Gemütlichkeit, Wohlbefinden und Befriedigung verbinden. Vor allem unsere Urlaubserinnerungen sind mit Ess-Erlebnissen verknüpft. Für mich sind es etwa die köstlichen Pfannkuchen (okonomiyaki) in einem Restaurant in Kyoto, die direkt vor uns auf dem Tisch auf einer Herdplatte zubereitet wurden. Oder die eigenwillige Zusammenstellung von überbackenen Maccaroni mit Pommes Frites und gedünsteten Erbsen, die Uwe und ich nach einer regenreichen Wanderung in England trotz anfänglicher Verwunderung komplett verspeisten. Meinem Vater bleibt das erste Stück Schokolade unvergesslich, das ihm ein amerikanischer Soldat schenkte. Mit meiner Großmutter verbinde ich Baumstammkuchen, Makrelen, Sülze, Dr. Oetkers Vanille-Wölkchen und Eierlikör.

Orte und Menschen sind in unserem Kopf verknüpft mit Geschmackserlebnissen, aber umgekehrt können Geschmackserlebnisse auch zu Erinnerungen führen. Ihr kennt das bestimmt: Beim Spaziergang durch die Stadt findet plötzlich ein Duft den Weg in eure Nase und ihr ruft begeistert aus: „Genauso roch die Linsensuppe von Tante Anna!“ Oder eine Gabelspitze Kartoffelsalat katapultiert euch zwanzig Jahre zurück zu einem verunglückten Picknick im Park. Essen und Erinnerung – eine Verbindung fürs Leben.

Daher ein Tipp für alle Autobiografinnen: Besucht ein Restaurant, in dem ihr früher gerne geschlemmt habt, studiert die Speisekarte eures Hochzeitsmahls oder ladet euch zum Abendessen bei alten Freunden ein. Das alles kann verborgene Erinnerungen wecken.

Herzlichst Claudia Cremer

P. S. Ein Stückchen Goldtröpfchentorte könnte ich jetzt vertragen!

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