Lose your illusion

1992 da hatte ich noch Illusionen! Guns N’ Roses, meine Lieblingsband, spielten im Müngersdorfer Stadion in Köln. Yeah! Ich kaufte eine Karte und war aufgeregt wie Hölle, denn es würde das beste Konzert meines Lebens werden. Den bösen Berichten der Musikpresse schenkte ich keinen Glauben. Angeblich kriselte es in der Band, die Jungs seien voll auf dem Egotrip, allen voran Axl Rose, der Sänger, der gerne mal drei Stunden zu spät auf die Bühne käme. Ich fragte mich damals: Welcher Musiker lässt seine Fans drei Stunden warten? Doch nur ein Idiot. Axl war kein Idiot. Vielleicht ein Spinner, aber kein Spielverderber. Fazit: Man will Guns N’ Roses was anhängen. Typisch Presse!

Der Tag des Konzerts kam. Axl betrat pünktlich die Bühne, lieferte die absolute Show, Slash spielte ein geniales Solo nach dem anderen, Duff zupfte leidenschaftlich seinen Bass, die Jungs waren cool wie immer, die Stimmung super, das Konzert legendär. Was wollten alle nur? Guns N’ Roses waren doch die Band…

2012. Ich habe die Autobiografie von Duff McKagan gelesen und bin – ja, was bin ich eigentlich? Enttäuscht? Schockiert? Ernüchtert?, denn ich habe erfahren, dass Guns N’ Roses schon 1992 nur eine Illusion waren. Eine entfremdete Band ohne gemeinsame Ziele, ohne Zusammenhalt: „We rode separately to and from the gigs. We had separate dressing rooms. A sense of band unity was evident only when we were onstage. Otherwise it was every man for himself.“ Dass Axl Rose im Müngersdorfer Stadion pünktlich auf der Bühne erschienen war – reines Glück.

Hätte ich all diese Informationen damals gehabt, ich hätte wahrscheinlich geheult ;-) , aber schließlich bin ich jetzt 20 Jahre älter, gereift und erwachsen, und da haut einen so schnell nichts mehr um. Nur ein bisschen vielleicht…

Für Duff McKagan war der Zerfall der Band jedoch eine schreckliche Erfahrung. In seiner Autobiografie It’s So Easy: and other lies beschreibt er, wie er den Prozess wahrgenommen bzw. nicht wahrgenommen hat, wie er sich nach der Auflösung neue Ziele setzte, sich seinen Drogenproblemen stellte und zu neuen Wegen fand. Das macht er auf eine ehrliche und sympathische Art und in gutem Stil. Absolut lesenswert! Auch für nicht Guns N’ Roses-Fans.

Herzlichst Claudia Cremer

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Eine Antwort auf Lose your illusion

  1. Uwe Cremer sagt:

    Die Biografie von Duff ist absolut lesenswert. Das sage ich nicht nur als GNR Fan, sondern vor allem als Musiker. Total interessant, wie der Job so für die ganz Großen ist, die sich anscheinend besser gefühlt haben, als sie noch klein waren.

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