Betroffen

Gestern Abend. 18 Uhr. Es war dunkel. Auf der Universitätsstraße tobte der Verkehr. Da sah ich das Plakat. Es war riesig. Es war beleuchtet. Es war nicht zu übersehen. Im Vorbeifahren las ich den weißen Schriftzug auf schwarzem Grund:

Ich hielt die Luft an. Ich war geschockt. Ich war betroffen.

Wer letzte Woche die Nachrichten verfolgt hat, weiß, dass am 27. Januar 1945, vor 70 Jahre, das Konzentrationslager Auschwitz durch Soldaten der Roten Arme befreit wurde. Bundespräsident Gauck hielt am Dienstag im Bundestag eine Rede zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Es gab eine Feier in Auschwitz, an der 300 ehemalige KZ-Häftlinge teilnahmen. Die Presse berichtete und viele Sender zeigten Dokumentationen über die Gräueltaten der Nationalsozialisten.

Das alles ist gut! Erinnerung ist unerlässlich! Als Biografin kann ich das nicht oft genug herausstellen.

ABER was sollte dieses Plakat? Was sollten diese beiden Worte, die mir in der Nacht wie eine Drohung entgegengeschleudert wurden? Sollten Sie mich schocken? Aufwühlen? Irritieren? Ging so erinnern?

Es ließ mir keine Ruhe.

Heute Nachmittag fuhr ich noch einmal zur Universitätsstraße/Ecke Zülpicher Straße und betrachtete die Tafel vom Bürgersteig aus. Erst jetzt konnte ich erkennen, dass es sich um einen Hinweis auf eine Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum handelt. Erst jetzt verstand ich den Sinn des Plakats.

Fazit: Wenn Effekthascherei ein ernsthaftes Anliegen so schnöde verdeckt, dann ist das keine gelungene Werbung!

Eure Claudia Cremer

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Eine Antwort auf Betroffen

  1. maria sagt:

    huhu
    claudia
    interessante arbeit und seite!!!

    danke für den schöööööööönen abend mit dir euch!

    liebe grüsse
    aus
    bochum
    maria.

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