Liebe inklusive

Ich liebe Liebesgeschichten. Schon als kleines Mädchen bezauberten mich die Märchen von Dornröschen, Aschenputtel oder Schneewittchen. Später dann durchlebte ich eine intensive Jane-Austen-Phase. Lizzy und Mr Darcy waren meine romantischen Helden. Während meines Studiums kamen weitere berühmte Liebespaare hinzu: Romeo und Julia, Werther und Charlotte, Ferdinand und Luise, Minna und Tellheim. Heute lasse ich mich gern von Autorinnen wie Stephanie Meyer in die Welt der Sehnsucht und des Herzschmerzes entführen. Ab und zu kaufe ich sogar (ich gestehe es) einen Fürstenroman in der Bahnhofsbuchhandlung. Ich habe eben eine romantische Seele.

Kein Wunder also, dass ich Feuer und Flamme war, als mich eine junge Frau anrief und sagte, sie wolle über ihre Liebe zu ihrem Mann schreiben. Eine echte autobiografische Liebesgeschichte! Darauf hatte ich gewartet! Allerdings gab es da etwas, das mich auch ein wenig irritierte. Aline Engels erklärte mir am Telefon: „Mein Mann ist schwerbehindert.“

„Tim hat Muskelatrophie“, sagte sie mir. „Er sitzt im Rollstuhl und kann sich nicht bewegen. Für seine Pflege beschäftigt er sieben Assistenten, die ihn 24 Stunden am Tag versorgen.“

Hm, fragte ich mich, wie ist das wohl, sich in einen schwerbehinderten Mann zu verlieben? Wie sieht das erste Date aus? Gibt es Orte, die romantisch sind und barrierefrei? Spricht man gleich beim ersten Treffen über die Behinderung? Oder übergeht man einfach viele Fragen, wenn man verliebt ist? Kann man ungestört flirten, wenn immer ein Assistent dabei ist? Oder kann man die Jungs einfach wegschicken? Sprich: Wie romantisch kann eine solche Liebesgeschichte überhaupt sein?

Eine Woche später bekam ich Antworten. Aline Engels zeigte mir bei unserem Treffen ein Fotoalbum mit Bildern und erzählte mit leuchtenden Augen, wie sie ihren Mann kennenlernte und sich in ihn verliebte. Ich las die Kapitel, die sie geschrieben hatte und die ich für sie überarbeiten sollte. Sie waren voller Sehnsucht und Verlangen, voller Hoffen, Bangen und Zärtlichkeit. Ich war sehr gerührt und fieberte mit der verliebten Aline aus dem Manuskript mit: Wann wird Tim endlich verstehen, dass sie es ernst mit ihm meint? Wann wird er ihr seine Liebe gestehen?

Mit jeder Zeile spürte ich, das dies eine ganz besondere Liebesgeschichte ist, und für mich ein ganz besonders schöner Auftrag .

„Doppelbett mit Liebesbrücke“ von Aline Engels ist erschienen als Paperback und E-Book.

Herzlichst, Claudia Cremer

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